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Leben aus der Retorte - früher und heute...?

 

"Es wird ein Mensch gemacht...
wie sonst das Zeugen Mode war, erklären wir für eitel Possen...

Es leuchtet! seht! - Nun läßt sich wirklich hoffen,
dass, wenn wir aus viel hundert Stoffen
durch Mischung - denn auf die Mischung kommt es an - den Menschenstoff gemächlich komponieren, in einen Kolben verlutieren
.."

aus: Goethe: "Faust", Zweiter Teil

Die künstliche Erschaffung des Menschen durch Wagner beschreibt Goethe in dem zweiten Teil des Faust.

Leonhard verwendet auch hier das Stilmittel der 'fiktiven Collage'. Vorgänge aus verschiedenen Epochen werden miteinander verschränkt, um einen aktuellen Bezug herzustellen.

Wagner wird als zeitgenössischer Forscher dargestellt, der sich als Genmanipulator betätigt und virtuelles Leben produziert.

So entsteht ein palimpsestartiger Gesamteindruck, wie bei mittelalterlichen Handschriften gelegentlich eine früher entfernte Schrift oder Zeichnung durchscheint , die sich im neuen Bild mitteilt.

 

Homunculus (Faust-Zyklus)

"Homunculus", Radierung, 1999
Was den Palimpsestcharakter im ursprünglichen Wortsinn unterstreicht, ist außerdem die Einbeziehung von geschriebenem Text aus dem "Faust".